Würdige Unterkünfte für Wohnungslose - Polizei drangsaliert Unterstützer_innen

Aktivist_innen besetzen Häuser in Vinnhorst – 1

über 800 Menschen demonstrieren erfolgreich

für würdige Unterkünfte für Wohnungslose –

Polizei drangsaliert Unterstützer_innen

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Posted on 6. December 2020 by besetzen

Pressemitteilung der Initiative „Jetzt besetzen wir!“

Über ein dutzend Menschen haben die Initiative „Jetzt besetzen wir!“ unterstützt und am 5.12. mehrere Häuser in Vinnhorst besetzt, um gemeinsam mit Wohnungslosen Unterkünfte zu beschaffen. Die Stadt Hannover hat ihr zynisches Verhalten gegenüber Wohnungslosen beibehalten und die in ihrem Besitz befindlichen Häuser räumen lassen. Zudem führte der große Polizeieinsatz dazu, dass viele Wohnungslose abgeschreckt wurden und von der Straße zusehen mussten, wie eine weitere Hoffnung zerstört wird. Allerdings bekamen diese und die Besetzer_innen sehr viel Zuspruch von den verbliebenen Mietparteien der Siedlung. Andere Nachbar_innen brachten sogar selbstgebackene Kekse und heißen Tee vorbei. Es zeigt sich, dass große Teile der hannoverschen Bevölkerung nicht auf Seiten der Regierenden stehen. Das freut uns.

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Andererseits wurden viele Unterstützer_innen, die von der Demonstration kamen, von der Polizei drangsaliert, geschlagen und eingekesselt. Eine angemeldete Spontandemonstration zur Unterstützung der Besetzung wurde von der Polizei rechtswidrig verhindert.

Trotz eines Gesprächsangebotes von Seiten der Besetzer_innen hat die Stadt Hannover sich dem Dialog verweigert und die Häuser räumen lassen. So ist es wieder nicht gelungen, Wohnraum für Wohnungslose zu erkämpfen. Wir sagen aber deutlich: Das ist erst der Anfang. Die Aktivitäten zur Erkämpfung würdiger Unterkünfte haben erst begonnen. Die Stadt Hannover macht sich etwas vor, wenn sie glaubt, sie könne verhindern, dass sich Wohungslose und solidarische Menschen zusammentun. Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn Menschen auf der Straße sterben, weil sie keine Unterkunft finden.

Alle Sachbeschädigungen an den Häusern sind durch das Verhalten der Polizei entstanden, als sie zur Räumung der Häuser eine Ramme einsetzten. Im Interesse der Wohnungslosen war von den Besetzer_innen darauf geachtet worden, keine Schäden zu verursachen.

Wir forden die Stadt Hannover auf, den Strafantrag gegen die Aktivist_innen zurückzuziehen. Wenn die Stadtverwaltung glaubt, soziale Probleme und Konflikte polizeilich lösen zu können, wird sie weitere Teile der Bevölkerung gegen sich aufbringen. Daran haben wir keinen Zweifel.

Wir forden die Stadt auf, unverzüglich alle in ihrem Besitz befindlichen Immobilien für Wohnungslose zu öffnen.

Wir werden keine weiteren Ultimaten mehr stellen.

https://besetzen.blackblogs.org/

 

siehe auch:

Zwangsräumung - Obdachlos – Tot

Gedenken an Jürgen »Bauer« Niemann

 

Der Aufruf:

Aufruf

Ein warmes zu Hause mit Schlüssel und eigenem Briefkasten ist das Minimum!
Selbstbestimmte Einzelunterbringung für alle Wohnungslosen bis Ende November!

SONST BESETZEN WIR!!!

Seit Monaten kämpfen Wohnungslose gemeinsam mit solidarischen Menschen und Initiativen für eine würdevolle Unterbringung. Zudem steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder und der Winter steht vor der Tür. Schon jetzt ist es nachts arschkalt und ohne Wohnung kann man nun mal nicht zu Hause bleiben.
Oberbürgermeister Onay hält derweil schöne Sonntagsreden und präsentiert wohlklingende Pläne – fürs nächste Jahr. Währenddessen hat die Stadtverwaltung, deren Chef Onay ist, Mitte Oktober die letzte Corona-Notunterbringung mit Einzelzimmern geschlossen und die Menschen stehen wieder vor dem Nichts. Zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr hatte die Stadt Hannover noch Unterkünfte für Wohnungslose angemietet. Aber auch hier war zu Spitzenzeiten nur Platz für 100 der insgesamt über 4.000 wohnungslosen Menschen in Hannover.

Was jetzt noch bleibt, sind die Massenunterkünfte (wie am Alten Flughafen). Privatsphäre gibt es dort nicht. Einen sicheren Ort, um das letzte Hab und Gut einzuschließen, auch nicht. Und einen Ort zum Ruhe finden, oder um Krankheiten aus zu kurieren, schon gar nicht. Immer wieder kommt es zu Konflikten und Betroffene – besonders Frauen – berichten von Machtmissbrauch und Gewalt durch die Sicherheitskräfte. Außerdem schließen jeden Morgen um neun die Türen und die Menschen stehen für den Tag wieder auf der Straße. Die Würde der dort schlafenden Menschen wird permanent mit Füßen getreten.
Viele Wohnungslose gehören zudem wegen chronischer Krankheiten und eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung zur Corona-Risikogruppe. An Abstand und Hygiene ist bei den Bedingungen in den Massenunterkünften aber nicht zu denken.
In den kleineren Unterkünften ist die Situation auch nicht viel besser. Privatsphäre ist auch hier Mangelware, Gängeleien durch Angestellte und Sicherheitspersonal gehören zum Alltag und der Corona-Schutz in den vielen Zweibettzimmern ist ungenügend.
Einige ziehen es wegen der beschissenen Bedingungen in den Unterkünften vor, in Zelten, Autos, oder sonst irgendwo draußen zu schlafen. Doch die kalte Jahreszeit beginnt gerade erst.

In den Tagestreffs, wo die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden sollen, bleibt nur Platz für weniger als ein Viertel der Leute, die dort vor der Corona-Pandemie einen Ort zum Aufwärmen, Kaffee trinken und den Zugang zu Toiletten und Waschgelegenheiten gefunden hatten.

Die Zeit drängt, doch die Stadtoberen und die Verwaltung tun so, als würde es diese Probleme nicht geben. Selbstzufrieden lehnt man sich im Rathaus lieber zurück und will sich nach der Schließung der Corona-Notunterkünfte in Jugendherbergen und Hotels erst im nächsten Jahr um eine dauerhafte Lösung bemühen. Wer Corona und den Winter nicht leugnet, sieht aber, dass ein Modellprojekt im nächsten Jahr keine ernstzunehmende Lösung sein kann.

Die allgemeine Wohnungsnot und der Umgang mit Wohnungslosen sind kein Zufall, sondern Ergebnis der marktförmigen Wohnungspolitik und dem völligen Versagen der Stadt, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Während Investoren und andere Profiteure der Wohnungsnot im Rathaus hofiert werden, bleibt für alle, die mit der monatlichen Miete zu kämpfen haben, und erst recht für die, die ihre Wohnung schon verloren haben, nichts als heiße Luft.

Doch damit ist jetzt Schluss! Wir, Betroffene von Wohnungslosigkeit und Menschen aus Sozialen Bewegungen und Mietkämpfen, haben uns zusammengetan, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die Zeit, vor dem Rathaus zu stehen und um Würde zu bitten, ist vorbei! Wir sehen auch keinen Sinn mehr darin, an irgendwen zu appellieren. Wir wollen nicht mehr diskutieren oder verhandeln. Weder mit dem Wohnungsamt, noch mit dem Baudezernenten oder dem Bürgermeister. Die Probleme wurde oft genug benannt und alle Standpunkte sind ausgetauscht.

Wir stellen den Verantwortlichen der Stadt Hannover hiermit eine Frist bis Ende November.
Wenn bis dahin nicht alle Wohnungslosen, die es wollen, einen Platz in einer würdevollen Einzelunterbringung bekommen haben, schreiten wir zur Tat und zeigen, wie unbürokratisch leerstehende Häuser und Wohnungen zu einem Zuhause werden können.

Ein warmes Zuhause mit Schlüssel und eigenem Briefkasten ist das Minimum!
Selbstbestimmte Einzelunterbringung für alle Wohnungslosen bis Ende November!

SONST BESETZEN WIR!!!