12.03.2020 20.30 Uhr Film: Ein Bergarbeiter erzählt: "Lebensgeschichte des Bergarbeiters Alphons S." 100 Jahre Kapp-Putsch – 100 Jahre proletarischer Widerstand gegen Reaktion und Militarismus

 

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12.03.2020 20.30 Uhr

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Ein Bergarbeiter erzählt: "Lebensgeschichte des Bergarbeiters Alphons S."

Die Film-Dokumentation „Lebensgeschichte des Bergarbeiters Alphons S.“ aus dem Jahre 1978 von Gabriele Voss und Christoph Hübner gilt als Pionierwerk des deutschen Dokumentarfilms. Der Film wurde aus 22 Stunden Videomaterial zusammengestellt und in der Form einer Chronik montiert.

Darin erzählt der Bergmann und Betriebsrat Alphons Stiller – geboren 1906 im Saarland, gestorben 1979 in Castrop-Rauxel – seine Lebensgeschichte. Dabei geht es nicht nur um sein Einzelschicksal, sondern auch um die politische Geschichte, die Alphons Stiller beobachtete, betrieb, durchlebte und durchlitt.

Alphons S. erzählt von seiner Geschichte als Kind und jugendlicher Bergarbeiter im Ruhrgebiet, von der Schulzeit im Ersten Weltkrieg, dem Kriegsende, dem Kapp-Putsch, seiner Arbeit im Bergbau und auf einer Mühle, auf der Tippelei und danach wieder im Ruhrgebiet, in Aachen und in Berlin, als Landarbeiter im Osten Deutschlands. Er erzählt eine Geschichte von unten. Er erzählt als wacher Zeitgenosse, als Anarchist und Linkssozialist.

Die zwei ersten Kapitel des achtteiligen Filmzyklus sind zu sehen – ca. 70 min. Mit Einführung und anschließendem Gespräch

Textbuch zum Filmzyklus "Lebensgeschichte Des Bergarbeiters Alphons S." als PDF

KINO IM SPRENGEL

Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, Hannover - Nordstadt (Sprengelgelände)

Eintritt 5,- Euro, mit Hannover-Aktivpass oder Behindertenausweis 2,50 Euro

 „Aus der Geschichte lernen“

„Die Jugend und die frühen Erwachsenenjahre von Alphons Stiller sind geprägt von harter Arbeit und immer wieder auch von großen Schwierigkeiten, sich durchzubringen. 1925/26 ist er auf „Tippelei“, das heißt, er wandert herum und sucht auf diese Weise nach Erwerbsmöglichkeiten. Er unterscheidet diese Lebensform ausdrücklich von der „Walz“ der Handwerksburschen, denn „Romantik passte (in die Tippelei) nicht hinein“. Er gehörte in dieser Zeit zum „Strandgut der Gesellschaft“ und lernte in Berlin auch eine „Halbunterwelt kennen“. Mit seinen politischen Ansichten ist Stiller in dieser Zeit „linksradikal“ - wobei er das im Rückblick durchaus auch seiner Jugend zuschreibt („meinem Alter entsprechend war ich so auf die Aktion aus“). Bezeichnenderweise deutet er diese Radikalität vor dem Hintergrund politischer Umstände in seiner Sprechergegenwart.“ ( aus dem Begleitheft zum Film)

k3Rote Hilfe e.V Ortsgruppe Hannover in Kooperation mitk4

Gewerkschaftsforum Hannover    und dem Kino im Sprengel (http://www.kino-im-sprengel.de/)

 

 

100 Jahre Kapp-Putsch – 100 Jahre proletarischer Widerstand gegen Reaktion und Militarismus

k6Der am 13. März 1920 unternommene Versuch konservativer und präfaschistischer Kräfte, die Weimarer Republik durch Einsetzen eines autoritären Regimes frühzeitig abzuschaffen, ging als „Kapp-Putsch“ in die Geschichte ein.

Der zur Abwehr des Putsches ausgerufene Generalstreik - der einzige politische Generalstreik in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung - mobilisierte die gesamte Arbeiterschaft und ließ den Putsch binnen zwei Tagen zusammenbrechen.

Im Ruhrgebiet kam es zu einem weiter gehenden Aufstand von enormem Ausmaß, abgesichert durch Arbeiterwehren, der Roten Ruhr Armee, der erst Wochen später durch massiven Einsatz von Reichswehr und Freikorps niedergeschlagen werden konnte. Arbeiter- und Vollzugsräte hatten in den befreiten Gebieten versucht eine sozialistische Ordnung zu etablieren.

Nach dem sog. Bielefelder Abkommen, das die Kapitulation und die Entwaffnung der Roten Ruhr Armee erzwang, kehrten die Reichswehr- und Freikorpstruppen - mit der Zustimmung der vom Generalstreik geretteten SPD-Regierung - in die freigekämpften Gebiete zurück. Das Militär und die Freikorps rächten sich in zahlreichen Massakern für die Niederlagen gegen die Rote Ruhr-Armee. Zudem mussten Zehntausende aus den ehemaligen Kampfgebieten flüchten.

In Hannover fanden sich MSPD, USPD und KPD schon am 13.03. in einem Aktionsausschuss zusammen. Die KPD forderte neben der Bewaffnung der Arbeiterschaft den Sturz der geflohenen Regierung. Die Kapp-Lüttwitz-Putschisten wurden von rechtsradikalen Bürgerwehren und reaktionären Studenten unterstützt. Es kam zu Auseinandersetzungen, bei denen mehrere Arbeiter erschossen wurden.

Am 21.03.vor 100 Jahren zog ein gewaltiger Trauermarsch zum Stöckener Friedhof, wo die in Hannover Ermordeten zu Grabe getragen wurden.

Gedenken wir diesem erfolgreiche Widerstand gegen Militarismus und Reaktion durch die Arbeiterschaft - einem der wenigen Höhepunkte in der Geschichte der Arbeiterbewegung und der Linken in Deutschland.

Kommt mit uns zum Stöckener Friedhof am 21. 03. um ihnen unsere Ehre zu erweisen.

 

21. März, 14.30 Uhr

am Haupteingang des Stöckener Friedhofs

– gemeinsamer Gang zu den Gräbern